Ganz ungemein. Beschriebenes Papier auch. Und wenn noch andere Dinge dazwischen gestapelt sind – CDs, Schokolade oder Kästchen mit Schraubendrehern – dann neigen sich die Stapel noch mehr und fangen an zu rutschen.
Nach Hause kommen. Den Rucksack absetzen. Wenn ich danach noch einmal losziehe, landet der Inhalt vom Rucksack auf dem Bett. Und abends scharre ich den Belag vom Bett zusammen und plaziere ihn als kleines oder größeres Stapelchen auf Tisch oder Fußboden. Da wachsen die Stapel dann bis zur Zimmerdecke. Nein, nicht ganz. Sie neigen sich ja.
Warum ist es eigentlich so schwierig, die Blätter in Ordner zu heften?
Sicherlich spielt Faulheit mit. Und der Gedanke, dass ich mit den Zetteln doch »noch arbeite«. (Was eigentlich?)
Das Problem sind die Ordnungssysteme. Die versagen, weil sich die Kriterien verändern. In früheren Jahren war wenigstens auf die Kriterien noch Verlass. Damals verging auch die Zeit langsamer. Die Schwierigkeit lag dann eher darin, die passenden Kriterien überhaupt zu finden.
Ordnersysteme sind eindimensional. Papiere und das, was draufsteht, kennen viele Aspekte. Man müsste die Zettel miteinander verlinken. Oder, was ich jetzt bei den »social bookmarks« gelernt habe: mit »tags«, mit Etiketten versehen, dann befindet sich der Zettel immer in der passenden Kiste. Manche arbeiten ja wirklich mit Kopien in mehreren Ordnern. Aber damit wird das Papiervolumen noch größer.
Das Gegenstück dazu ist eine Kladde. Streng chronologisch und nichts fällt raus.
Chronologie ist auch ein Ordnungskriterium. Ein ziemlich einfaches, deswegen wird es von relativ vielen Menschen begriffen. Allerdings, ob es immer so das Richtige ist? Die Belege für die Steuererklärung in der Kladde zusammensuchen?
Da versuchen es die meisten Menschen doch wieder mit Ordnern, mit Ablagekörbchen, mit Kisten und Kasten …
… und scheitern.
Und dann haben viele Texte so einen unfertigen Charakter. Wahrscheinlich ist das eine Qualität. – Aber es macht es schwierig, die Papiere abzuheften.
Das ist ein Unterschied zwischen geschriebener und gesprochener Sprache: Es sind die geschriebenen Texte, die diesen unfertigen Charakter haben. Gesprochenes ist fertig. Gesagt ist gesagt. Endgültig.
Vielleicht ist das überhaupt der große und wichtige Unterschied zwischen geschriebener und gesprochener Sprache. Es ist kein Zufall, dass man zum Schreiben auch einen Stift braucht. Wie für eine Skizze. Wieviele Menschen fangen an zu schreiben, um ihre Gedanken zu sortieren? Wenn die Gedanken klar sind, brauche ich kein Skript mehr.
Vom 11. Januar 2006, eingestellt am 17. März 2006.